Anästhesie - Narkosemanagment

Bei uns werden täglich viele Patienten zwecks Operationen oder Untersuchungen in Narkose gelegt. Sehr wichtig ist hierbei ein vorsichtiges und gut verträgliches Narkosemanagment zu betreiben. Hierbei steht die Patientensicherheit im Mittelpunkt. 

Gerade gefährdete Patienten (alte oder kranke Hunde und Katzen, brachicephale Hunderassen) müssen hierbei besonders überwacht werden. Auch bei Kaninchen, Meerschweichen, Chinchilla, Mäuse und Ratten muss das Narkosemanagment speziell angepasst sein.

Unsere Praxis verfügt über drei Inhalationsnarkosegeräte (Narkosegas) mit denen Ihr Tier in bei Operationen, Zahnsanierungen oder anderen Eingriffen in Narkose gehalten werden.

Jede dieser Narkoseeinheiten ist mit einem kompletten Überwachungssystem ausgestattet. Dabei wird Ihr Tier an ein EKG (zur Überwachung des Herz-Kreislaufs) angeschlossen. Die Atmung wird mittels einer Kapnographieüberwachung (überwacht die Kohlendioxproduktion ihres Tieres) bis ins Detail kontrolliert. Zusätzlich kann die Sauerstoffsättigung im Blut bei Ihren Tieren gemessen werden.

Die wichtigste Überwachung ist und bleibt der Mensch. Aus diesem Grund sind unsere Tierärzte und Tiermedizinischen Fachangestellten auf diesem Gebiet geschult. Bei jeder Operation ist neben dem Operateur auch ein Mitarbeiter speziell zur Narkoseüberwachung anwesend. Der Operateur muss sich auf die Op konzentrieren, aus diesem Grund ist gerade eine oder mehrer Personen zur zusätzlichen Überwachung nötig.

Wir werden immer wieder gefragt: "Ist die Narkose nicht gefährlich?" - "Kann mein Tier in dem Alter noch in Narkose gelegt werden?" - "Mein alter Hund hat aber ein Herzproblem, wird er die Narkose überleben".

Natürlich ist jede Narkose, wie in der Humanmedizin, ein gewisses Risiko, ABER wird ein vorsichtiges Narkosemanagment betrieben, das Tier gründlich überwacht, mit Infusionslösung versorgt und dem Tier Wärme zugeführt, so ist das Risiko extrem gering. Das Risiko, dass etwas in der Narkose passiert steht oftmals nicht in dem Verhältnis zur Lebensverbessung der Patienten (z.B. alte Hund mit hgr. Zahnproblemen). 

Auch werden wir oft gefragt, wie läuft solch eine Narkose ab? Hier eine Abfolge wie Ihr Tier in Narkose gelegt wird, versorgt und überwacht wird:

Nüchtern

Ihr Tier sollte unbedingt vor einer Narkose nüchtern sein, d. h. abends ab ca. 18 Uhr sollte das Essen weggenommen werden. Wasser kann weiter zur Verfügung gestellt werden. AUSNAHME sind Heimtier: Kaninchen, Meerschweichen, Chinchilla etc. sollten nicht nüchtern vorgestellt werden.

Voruntersuchungen

Bevor Ihr Tier in Narkose gelegt wird untersuchen wir den Allgemeinen Zustand, d.h. das Herz-Kreislaufsystem, die Atmung, die Temperatur. Generell ist bei gefährdeten Tieren eine Blutuntersuchung zu empfehlen, da Leber-, Nieren-, Diabetes- und andere Erkrankungen oftmals nur im Blut festgestellt werden können. Dazu nehmen wir (wenn es nötig ist) Ihrem Tier einige Tropfen Blut ab.

Venöser Zugang

Wie beim Menschen wird ein venöser Zugang in eine Vene gelegt. Hierüber erfolgt eine intravenöse Narkoseeinleitung. Der Zugang ist sehr wichtig. Hierüber kann der Kreislauf mittels Infusion stabilisiert werden. Wenn nötig können Kreislaufmedikamente gegeben werden.



Narkose einleiten

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen, so wird über die Braunüle die Narkose eingeleitet. Innerhalb von ca. 20 Sekunden schläft Ihr Tier langsam ein. Sie können es dabei im Arm halten. 

Sobald es schläft überwachen wir die Atmung und den Herzschlag. In die Augen wird Augensalbe gegeben, damit die Hornhaut nicht austrocknet. Wir übernehmen dann Ihr Tier und versorgen es weiter.

Intubation + Medis

Ihrem Tier wird dann ein Tubus (spezieller Schlauch) in die Luftröhre gelegt. Dadurch wird die Atmung kontrolliert und die Narkose mittels Isofluran (Narkosegas) verlängert. Sollte Ihr Tier nicht selbstständig atmen, so können wir es maschinell beatmen.

 

Op-Vorbereitung

Der zu operierende Körperteil wird geschoren (wenn nötig). Es werden Medikamente (Schmerzmittel und Antibiotikum) gespritzt. 

Direkt im Anschluss kommt Ihr Tier in den Op oder Zahnraum.



Im Op-Raum

 

Im Op wird Ihr Tier ständig überwacht. Dazu wird es an ein Narkoseüberwachungssystem angeschlossen. Der Tubus (Atemschlauch) wird an unser Inhalationsnarkosesystem gekoppelt. Dort wird Sauerstoff gemischt mit Isofluran (Narkosegas wie in der Humanmedizin) als Atemluft Ihrem Tier zugeführt. Sollte es nicht selbstständig atmen, so wird es maschinell beatmet. An die Pfoten werden kleine Klebekontakte aufgeklebt. Ihr Tier liegt auf einer Wärmematte. Sie wärmt den Patienten dauerhaft von untern auf, damit der Körper nicht auskühlt. 

Während der Op

Unser Überwachungssystem hilft uns alle lebensnotwendigen Funktionen des Patienten zu kontrollieren. So wird der Herzschlag (EKG) und die Atmung (Kapnographie) gemessen. Sollte etwas nicht stimmen, gibt das System Alarm.

Der wichtigste Überwacher im Op ist aber nach wie vor der Mensch. Neben dem Operateur ist mindestens noch ein Mitarbeiter zur Überwachung ihres Tieres da. Auch die Körperinnentemperatur, die Narkosetoleranz (Tiefe der Narkose) und die Herztöne (Herzauskultation) werden immer wieder kontrolliert. Der Patient erhält zur Stabilisation des Kreislaufs ein Infusion über den venösen Zugang. 

 

Aufwachraum

Wir haben verschiedene Aufwachplätze für die Patienten. Je nach Größe des Patienten werden sie untergebracht. Das wichtigste nach der Operation ist die Wärmeversorgung und die Kontrolle der Atmung. Mittels Infrarotwärme halten wir die Körpertemperatur hoch. Auch  bekommen die Tiere je nach Länge der Operation noch weiter eine Infusionslösung. Wichtig ist auch, dass die Tiere Ruhe haben, damit sie langsam aus der Narkose erwachen können. Nach 2 bis 3 Stunden nach der Operation können die Tiere von Ihrem Besitzer wieder abgeholt werden.